
Anfang September trat das Krypto-Projekt Tempo ins Rampenlicht. Es ist ein neues Layer-1 (L1) Blockchain-Netzwerk, das speziell für Zahlungen und Stablecoins entwickelt wurde. Die Initiative ist aus einer Zusammenarbeit zwischen Stripe, einem großen internationalen Zahlungsunternehmen, und Paradigm, einem der bekanntesten Risikofonds im Kryptobereich, hervorgegangen. Hier erfahren Sie, was an Tempo interessant ist und welche Aussichten das Projekt hat.
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Warum Tempo
Die meisten populären Blockchains wurden ursprünglich für den Handel und das dezentralisierte Finanzwesen entwickelt. Sie berücksichtigen nicht die Besonderheiten von Massenabrechnungen, bei denen stabile Gebühren, hohe Geschwindigkeit und eine geschäftsfreundliche Benutzererfahrung entscheidend sind.
Das Bitcoin-Netzwerk kann beispielsweise realistischerweise nur etwa fünf Transaktionen pro Sekunde verarbeiten, Ethereum etwa zwanzig. Das ist nicht genug für kontinuierliche Abwicklungsströme. Daher können solche Netzwerke nicht vollständig mit Fiat-Zahlungssystemen konkurrieren.

Screenshot der offiziellen Tempo-Webseite.
Die Entwickler schlugen vor, das Problem zu lösen, indem sie die Stärken von zwei Welten kombinieren: Fiat und Digital. So bewältigen Zahlungssysteme wie Stripe über zehntausend Transaktionen pro Sekunde. Ihnen fehlen jedoch die Vorteile digitaler Vermögenswerte. Tempo kombiniert die beiden Welten.Es gibt noch ein weiteres Problem, das die Entwickler zu lösen versuchten. In der Krypto-Community werden Gebühren in der Regel in Form von Token des Netzwerks gezahlt. Diese Anforderung ist für Nutzer, die lieber in vertrauten Fiat-Kategorien denken, unbequem. Tempo hat einen eingebauten automatischen Market Maker. Das Netzwerk wandelt Vermögenswerte in Stablecoins um und ermöglicht es den Nutzern, Gebühren direkt damit zu bezahlen, ohne einen separaten nativen Token kaufen zu müssen.
Die Entwickler geben an, dass Tempo nicht von einem einzigen Stablecoin abhängig sein wird. Jedes Unternehmen wird in der Lage sein, seine eigene digitale Währung im Netzwerk auszugeben. Alle Vermögenswerte werden gleichwertig sein. Die Nutzer werden in der Lage sein, Gebühren mit dem Stablecoin zu bezahlen, der ihnen am besten passt.Seit dem 5. September befindet sich Tempo in der geschlossenen Testphase.
Merkmale des Netzwerks
Tempo ist als eine für Zahlungen optimierte Layer-1-Blockchain positioniert. Die Entwickler heben die folgenden Merkmale hervor:
- vorhersehbar niedrige Gebühren;
- die Möglichkeit, Transaktionsgebühren mit jedem Stablecoin zu bezahlen;
- ein eingebauter automatischer Market Maker für den Tausch von Stablecoins;
- spezielle Zahlungsfunktionen, einschließlich Kanälen, Memos und Zugangslisten;
- Skalierbarkeit mit über einhunderttausend Transaktionen pro Sekunde und Verarbeitung im Sekundenbereich;
- Kompatibilität mit der Ethereum Virtual Machine.
Dank dieser Funktionen schlagen die Entwickler vor, Tempo als eine grenzüberschreitende Abwicklungsplattform zu betrachten. Sie eignet sich für den Aufbau eingebetteter Finanzkonten, ermöglicht kostengünstige Überweisungen und Abrechnungen auf der Grundlage von tokenisierten Einzahlungen, Micropayments und automatisierten Transaktionen.
Die Sicherheit des Netzwerks wird durch eine unabhängige Gruppe von Validierern gewährleistet. Für die Zukunft ist geplant, den Validierungsprozess für alle interessierten Teilnehmer völlig offen zu gestalten.
Wer steckt hinter dem Projekt?
Hinter dem Projekt steht Stripe, einer der größten Anbieter von Zahlungslösungen für Unternehmen weltweit. Paradigm – ein Risikofonds, der Kryptowährungs- und Blockchain-Projekte unterstützt – half dem Unternehmen bei der Umsetzung der Initiative.Die Deutsche Bank, Revolut, Nubank, Visa, Shopify, DoorDash, OpenAI und eine Reihe anderer Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, E-Commerce und Technologie haben sich dem Projekt angeschlossen.
Kritik und Skepsis
Trotz einer beeindruckenden Liste von Partnern erhielt das Projekt ein gemischtes Echo. Der Kryptoanalyst MartyParty erklärte in einem Beitrag des Stripe-Mitbegründers Patrick Collison, Tempo widerspreche der Idee der Dezentralisierung an sich.Seiner Ansicht nach vertieft der Versuch, einen neuen Intermediär zu schaffen, nur die Abhängigkeit der Nutzer von zentralisierten Strukturen. Seiner Meinung nach ist ein echter Fortschritt der Blockchain nur in offenen und vollständig öffentlichen Netzwerken möglich. Angesichts der technischen Merkmale ist er sich sicher, dass Tempo zum Scheitern verurteilt ist.
Es gibt auch noch andere Probleme. Nutzer wiesen darauf hin, dass die Entwickler das Projekt der Liquidität von Ethereum beraubt haben, indem sie das Netzwerk freiwillig isoliert haben. Es gibt keine Garantie dafür, dass die großen Namen der Projektpartner dazu beitragen werden, auch nur einen Bruchteil der Krypto-Community anzuziehen.
Schlussfolgerungen
Das Tempo-Netzwerk könnte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Blockchain-basierten Zahlungslösungen spielen. Leider muss sich die Krypto-Gemeinschaft fragen, ob die Plattform wirklich ein dezentralisiertes Werkzeug sein wird oder ob sie sich in eine weitere Form von Unternehmensinfrastruktur verwandeln wird, die von großen Unternehmen kontrolliert wird.
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